Biodiversitätsstrategie

Anlass und Ziel

Der Verlust der Biodiversität ist eine der größten ökologischen Herausforderungen auf unserem Planeten. Dementsprechend ist die Erhaltung der Arten- und Lebensraumvielfalt wildlebender Organismen die weltweit wichtigste Aufgabe des Naturschutzes. Sie ist aber keine Aufgabe des Naturschutzes allein, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der auch anderen Bereichen wie der Land- und Forstwirtschaft aber auch der Rohstoffgewinnung und Energieversorgung eine wesentliche Rolle zukommt.

Für die RWE AG sind Schutz und Förderung der Biodiversität ein zentrales Thema im Rahmen ihrer nachhaltigen Unternehmensführung. 2015 hat RWE eine Biodiversitätsrichtlinie (Biodiversity-Policy) verabschiedet. Diese legt fest, wie der Konzern den Schutz und die Förderung von Biodiversität im Rahmen seiner Geschäftstätigkeit gestaltet.

In den Jahren 2013 bis 2015 fand eine Kooperation mit der Weltnaturschutzunion (International Union for the Conservation of Nature, IUCN) statt. In einem Projekt wurden der Einfluss der Maßnahmen zur Tagebaurekultivierung auf die Biodiversität im Rheinischen Revier untersucht und Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert. Die RWE AG hat sich dazu bekannt eine Reihe dieser Empfehlungen aufzunehmen, um stringentere Biodiversitätsziele zu erreichen, wie etwa die stärkere Ausweitung nicht gemanagter Waldreservatsflächen oder eine möglichst naturnahe Gestaltung der Restseen nach Beendigung des Tagebaubetriebs. Weiterhin hat sich RWE bereit erklärt zu prüfen, inwieweit ein geeigneter Beitrag zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie des Landes NRW - einschließlich eines entsprechenden Monitorings - geleistet werden kann.

Heimische Orchideen in der Rekultivierung Garzweiler werden durch die BioDiS gefördert. (Foto: K. Görgen)

RWE-Biodiversitätsstrategie für das Rheinische Braunkohlenrevier (BioDiS)

Auf Grundlage der allgemeinen RWE-Biodiversitätsrichtlinie und der Empfehlungen der IUCN wurde von der RWE Power AG im Jahr 2018 eine Biodiversitätsstrategie für das Rheinische Braunkohlenrevier (BioDiS) konzipiert und eingeführt. Dieser strategische Ansatz ist notwendig, um neben der rechtlich gebotenen Minderung der Folgen der Tagebaubetriebe für die Biodiversität die sich darüber hinaus ergebenden Chancen zur freiwilligen Verbesserung der Biodiversität zu erkennen und zu nutzen. Verantwortlich für die Umsetzung der RWE-Biodiversitätsstrategie für das Rheinische Braunkohlenrevier (BioDiS) ist bei der RWE Power die Rekultivierungsabteilung in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle Rekultivierung.

Die Biodiversitätsstrategie greift insbesondere für die aktive Rekultivierung der Tagebaue Inden, Hambach und Garzweiler sowie für die Artenschutzflächen Hambach. Sie legt die Ziele und Maßnahmen für alle biodiversitätsrelevanten Handlungsfelder fest und fördert Maßnahmen, die zur Verbesserung der Biodiversität beitragen. Für die Handlungsfelder Wald, Offenland und Gewässer sind Ziele und Zielarten festgelegt, die durch die gezielte Entwicklung und Umsetzung von Biotop- und Habitatentwicklungsmaßnahmen gefördert werden. Die Erfolgskontrolle wird durch umfangreiche Monitoring-Maßnahmen gewährleistet. Sie sichern und bewerten die Zielerreichung und liefern im Einzelfall konkrete Informationen zur Modifikation der Rekultivierungs- und Pflegemaßnahmen. In 2019 wurde eine Gesamtliste aller biodiversitätsfördernden Maßnahmen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachbereichen der RWE AG und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg erstellt. Ab dem Jahr 2020 erfolgt die konkrete Umsetzung der Maßnahmen sowie begleitende wissenschaftliche Untersuchungen in einer auf mehrere Jahre ausgelegten Kooperation mit der Technischen Hochschule Bingen.

Eisvogel - Zielart für Extremflächen im Handlungsfeld Gewässer. (Foto: D. A. Gray)

Methodische Umsetzung der BioDiS

Für die Handlungsfelder Wald, Offenland und Gewässer wurden Zielarten definiert und für diese Arten Steckbriefe auf wissenschaftlicher Grundlage entwickelt. Derzeit wird damit begonnen für alle Zielarten Nullerhebungen auf festgelegten Monitoringflächen durchzuführen. Es gilt nun konkrete Monitoringkonzepte für die Zielarten zu erarbeiten, die Dauerbeobachtungsflächen festzulegen und die zeitlichen Intervalle für die Kartierungen auszuarbeiten. Da Zielarten stellvertretend für schützenswerte Lebensgemeinschaften (Biozönosen) und deren Lebensräume (Biotope) kartiert werden, muss sichergestellt werden, dass auch die übrigen wertgebenden Organismen und Lebensraumstrukturen vorhanden sind. Durch begleitende wissenschaftliche Untersuchungen zu anderen Artengruppen (z.B. Libellen im Handlungsfeld Gewässer, Grauammer im Handlungsfeld Offenland oder Höhlenbrüter und Fledermäuse im Handlungsfeld Wald) werden zum einen die Indikatorqualität der Zielarten wissenschaftlich geprüft und zum anderen weitere biodiversitätsfördernde Maßnahmen entwickelt. Die gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse werden durch Vorträge, Veröffentlichungen und Führungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Leitziele

Es wurden die folgenden zehn Biodiversitätsleitziele für die Rekultivierung festgelegt:

  • Zur Sicherung von lebensnotwendigen Ökosystemdienstleistungen und der nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter wird ein leistungs- und funktionsfähiger Naturhaushalt wiederhergestellt.
  • Zur Nachvollziehbarkeit und langfristigen Dokumentation werden erhobene Daten katalogisiert, aufgearbeitet und archiviert (Biodiversitätsarchiv).
  • In der forstlichen Rekultivierung wird die naturnahe Waldentwicklung mit typisch ausgebildeten Lebensgemeinschaften angestrebt (vor allem von Buchen- und Eichenwäldern). Es wird angestrebt, dass die Biodiversitätsbilanz zwischen rekultivierten Wäldern und Altwäldern nach 100 Jahren ausgeglichen ist.
  • In der landwirtschaftlichen Rekultivierung wird die Entwicklung einer artenreichen Feldflur mit typisch ausgebildeten Lebensgemeinschaften angestrebt. Die Biodiversität ist im Vergleich zur umgebenden Agrarlandschaft auf Altstandorten deutlich und möglichst langfristig erhöht.
  • Im Rahmen der Rekultivierung werden Fließ- und kleinere Stillgewässer mit natürlichen, vielfältigen Lebensgemeinschaften geschaffen, die zugleich auf Teilflächen dem Naturschutz Vorrang einräumen.
  • Förderung der Biodiversität während der Planung, der Anlage und der Befüllung der Restseen.
  • Es erfolgt eine Auswahl der sich in der Rekultivierung angesiedelten, prioritär schutzwürdigen Arten und Lebensräume.
  • Die prioritär schutzwürdigen Arten und Lebensräume werden durch geeignete Maßnahmen erhalten und nach Möglichkeit gefördert.
  • Die Biodiversität wird in der Rekultivierung vor allem durch Förderung der natürlichen Wiederansiedlung und von Zielarten verbessert.
  • Es wird ein Netz von Gebieten entwickelt, in dem Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik ungestört (Wald, Gewässer) bzw. möglichst naturnah ablaufen (Feldflur und Sonderflächen) und regelmäßig beobachtet werden.

Übersicht der RWE Biodiversitätsstrategie